trude waehner

„Ich hatte das Bedürfnis mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den drohenden Faschismus anzukämpfen und dies auch in meiner Kunst auszudrücken (…).“

(zitiert nach Kat. Ausst. “Die uns verließen. Österreichische Maler und Bildhauer der Emigration und Verfolgung”, Belvedere, Wien 1980, S. 202)

Trude Waehners Bilder aus New York, Südfrankreich, Haifa und Venedig sind Zeugen ihrer internationalen Ausrichtung. Ihre Landschaftsbilder sind mit Werken von Willy Eisenschitz vergleichbar, und ihre markanten Porträts sind stets treffende Charakterdarstellungen.

Waehners Kindheit war bereits von künstlerischen Eindrücken geprägt: Das elterliche Haus war von Kolo Moser eingerichtet; Maler, Bildhauer und Musiker wie Alban Berg gingen dort ein und aus. Bereits während ihrer Schulzeit besuchte sie Kurse an der „Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ und studierte anschließend an der Kunstgewerbeschule, wie auch an der Musikhochschule in Wien.

Unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs fühlte sie sich von den Auseinandersetzungen der Dada-Bewegung um André Breton oder George Grosz angezogen und schloss sich der sozialistischen Jugendbewegung an. Schließlich ging sie 1928 an das Bauhaus nach Dessau, wo sie Schülerin von Paul Klee war und auch Kurse bei Wassily Kandinsky belegte. 1931 übersiedelte sie nach Berlin und kam in Kontakt mit Josef Frank, Klaus und Erika Mann, Bertolt Brecht, George Grosz und Otto Dix. Als Antifaschistin floh sie 1933 von Berlin zurück nach Wien. Die bereits geplante Ausstellung bei Bruno Cassirer konnte nicht mehr durchgeführt werden.

Gemeinsam mit Kokoschka, Strnad, Tietze und Frank zählte Waehner in Wien zu den Stützen des alten Österreichischen Werkbundes. Zudem war sie im Umfeld des 1929 von Moritz Schlick gegründeten „Wiener Kreises“ von Intellektuellen anzutreffen. Darüber hinaus engagierte sie sich aktiv für Verfolgte im nationalsozialistischen Deutschland.

Im intellektuellen Umfeld vom Bauhaus bis hin zum Wiener Kreis traf sie ihre künstlerischen Entscheidungen ganz bewusst, wie Ernst Buschbeck, damaliger Direktor des Kunsthistorischen Museums, anlässlich einer Ausstellungseröffnung in der Neuen Galerie 1955 erläuterte:

„Die Künstlerin begann, im Unterschied zu den meisten anderen ihrer Generation, mit abstrakter Malerei mit starken Beziehungen zur Architektur und Musik und arbeitete als jüngste Schülerin bei Paul Klee in der Meisterklasse am Bauhaus. (...) Die Ideen der sozialistischen Jugendbewegung und der Kreise um Schlick und Freud – die Ideen wissenschaftlichen Denkens – konfrontierte sie nun mit den Ideen am Bauhaus, von welchen letzteren ihr nicht alle standzuhalten schienen. Noch am Bauhaus und mit vollem Verständnis seitens Klees wandte sie sich der gegenständlichen Malerei zu und wurde darin durch ihre humanistische Protesteinstellung gegen die wachsenden faschistischen Strömungen noch bestärkt (...).“ (Zitiert nach einem Pressebericht Buschbecks, MAK-Archiv)

1938 musste Trude Waehner mit ihrem jüdischen Mann und ihrem Sohn Gustav (aus erster Ehe) emigrieren. Über die Schweiz und Frankreich zog die Familie weiter in die USA, wo Waehner an mehreren Hochschulen unterrichtete. 1946 kehrte sie nach Europa zurück und erwarb bald darauf einen Wohnsitz in Dieulefit in Südfrankreich – jenem denkwürdigen Ort, dessen Einwohner während des Vichy-Regimes hunderte Verfolgte erfolgreich versteckten (darunter auch Willy Eisenschitz).

Ganz bewusst ging sie anlässlich ihrer ersten Ausstellungseröffnung in Wien im Jahr 1947 auf die vielen Verfolgten, Beraubten und Ermordeten des Zweiten Weltkriegs ein und betonte die Bedeutung der Widerständigen. Aus dieser Erfahrung heraus begründete sie ihren künstlerischen Anspruch:

“Und deswegen bin ich überzeugt, daß wir heute weder eine verspielt-formalistische noch eine rituell-dekorative oder gar cynisch-verzerrte Kunst brauchen, sondern eine ernsthafte, gegenständliche, realistische. Damit meine ich nicht kleinlichen und süßlichen Naturalismus, sondern eine auf die Darstellung des Wesentlichen und echt Erlebten gerichtete Kunst, die allen Menschen zugänglich ist. Wir brauchen die Zivilcourage, uns zu dieser Kunst zu bekennen.” (zitiert nach einer Mitschrift ihrer Ansprache, MAK Archiv)

Waehner lebte in jenen Jahren zumeist in Dieulefit; aus dieser Zeit stammen wunderbare Landschaftsbilder ihrer Umgebung. Zeitweise war sie weiterhin in Paris und Wien tätig und lebte ab 1963 in Venedig.

WERKE IN:

Albertina Wien

Wien Museum

Belvedere, Wien

Musée d‘Art Moderne, Paris

Museo del‘Arte Moderna, Bologna

AUSSTELLUNGEN:

1937 Galerie Würthle, Wien

1940 Galerie Martina Foster Braundl, New York

1943 und 1944 Bonestell Gallery , New York

1947 Galerie Raspail, Paris

1947 Galerie Welz, Weihburggasse, Wien

1950 Emmerik Gallery, New York/Stockholm

1954 “Arte e Resistenza”, Bologna

1955 Ausstellungsraum des Kulturamts der Stadt Wien, Wien

1955 Neue Galerie, Wien

1960 Galerie Motte, Genf

1964 La Galerie Zohar, Haifa

1966 Albertina, Wien

1980 "Die uns verließen", Belvedere, Wien

2010 Personale, Kunsthandel Hieke, Wien

2019 “Stadt der Frauen”, Belvedere, Wien

2022-23 “Wider die Macht. Die Kunstsammlung des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes" Haus der Geschichte Niderösterreich, St. Pölten

VERFÜGBARE KUNSTWERkE

- MARSEILLE ALTER HAFEN -

- HAIFA BAY -

- KÜNSTLERISCHE STUNDE -

- MARGARETE GUMP -

- CABANON DANS MON JARDIN -