TRUDE WAEHNER
cabanon dans mon jardin
Öl auf Leinwand
60 x 92 cm
rückseitig betitelt
Trude Waehner hielt ihren Garten in Dieulefit, wo sie ab 1950 die Sommer- und Herbstmonate verbrachte, aus verschiedenen Perspektiven fest. In diesem stimmungsvollen Landschaftsbild richtet sie den Blick auf einen kleinen Unterstand am Rand eines Weges, umgeben von einer Reihe von Sonnenblumen und Obstbäumen. Vermutlich diente er ihr immer wieder als Schutz vor Regen oder als Unterstand für Gartengeräte.
Der kleine Ort Dieulefit in der Drôme provençale erlangte während der deutschen Besatzungszeit und des Vichy-Regimes als Zufluchtsort für Verfolgte besondere Bedeutung. Hunderte Jüdinnen und Juden, politische Flüchtlinge sowie Künstler und Intellektuelle fanden hier Schutz vor Verfolgung und Deportation. Ob Waehner die Gegend bereits während ihrer Flucht 1938 kennengelernt hatte, ist nicht bekannt. Da sie noch in Wien Menschen bei der Emigration unterstützte und später in New York engen Kontakt zu zahlreichen europäischen Exilierten pflegte, ist jedoch gut vorstellbar, dass ihr Dieulefit und dessen Ruf als sicherer Zufluchtsort bereits bekannt waren, bevor sie sich dort schließlich niederließ.
Der Architekt Josef Frank entwarf für Waehners Besitz in Dieulefit ein Wohnhaus, das allerdings nie realisiert wurde. Spätestens seit ihrer gemeinsamen Tätigkeit im Österreichischen Werkbund ab 1933 verband die beiden eine enge Freundschaft und er besuchte sie regelmäßig in Dieulefit. Angeregt durch ihre malerische Ausdrucksweise begann Frank selbst mit der Aquarellmalerei.
1963 gab Waehner ihren Besitz in Dieulefit auf und verbrachte fortan einen Großteil ihrer Zeit in Venedig. “Cabanon dans mon Jardin” ist ein hervorragendes Beispiel ihres Schaffens der 1950er Jahre – einer Schaffensphase, die von außergewöhnlicher Produktivität und wachsender künstlerischer Anerkennung geprägt war. Das Gemälde verbindet die intime Beobachtung ihrer unmittelbaren Umgebung mit jener leuchtenden, expressiven Farbigkeit, die ihr Werk besonders kennzeichnet.