ANDRÉ VERLON



ZÜRICH 1917 - 1994 WIEN





"Da mein Weg vom vielleicht naiven Hoffnungsglauben an eine humanere Welt bestimmt ist, betrachte ich meinen Beitrag zur zeitgenössischen Kunst als Botschaft, ausgedrückt mit den Formmitteln unserer Zeit; wenn auch dieser Beitrag das Risiko der unerreichten Absichten in sich birgt. In einer Botschaft muss man etwas zu sagen haben, das die anderen betrifft. Das zu bestimmen obliegt dem Beschauer. Die neue Formensprache kann ihm zwar vorerst unverständlich und fremd sein, aber eine Sprache kann man erlernen, denn Kunst ist eine Sprache, ein Kommunikationsmittel - wenn nicht, dann wird sie zur leeren Äußerlichkeit, zum Platzfüller in einer entseelten Konsumwelt.“ André Verlon, 1963.





„VORWÄRTS ZU HUMANITÄT UND FRIEDEN“ forderte Verlon bereits in den 60er Jahren - nach wie vor ein Thema höchster Aktualität. Verlon nimmt als Weltenbürger mit seinen philosophisch-moralischen Werken einen eigenen Platz in der Kunstgeschichte ein. Zu Lebzeiten weltweit gewürdigt, bieten seine Bilder eine zeitlose Veranschaulichung des Menschen im Zwiespalt zwischen Technik, Großstadt und Krieg aber auch Hoffnung und Zuversicht. Von Paris nach Jerusalem über Zürich und Wien ließ sich Verlon zu seinen Werken inspirieren.


Vor allem durch seine Auseinandersetzung mit dem Dadaismus - Kontakten mit Jean Arp, Raoul Hausmann, Marcel Janko und Richard Hülsenbeck - und der empfundenen Notwendigkeit einer neuen Ausdrucksform in der Kunst entwi- ckelte er die einzigartige Technik des Montage-Painting. 1957 erschien die erste grundlegende Monographie des Dadaismus "Dada - Monographie einer Bewegung". Jahrelang das Standardwerk zu dem Thema. Einflüsse der futuristischen Collagen Umberto Boccioni‘s, der suprematistischen Malevitch‘s, sowie der papier collés der Kubisten sind in Verlons Werken nach eigener Definition ebenso zu finden, wie solche der Photomontagen John Heartfields.


Es sind politische Bilder voll brisanter Inhalte in einer dynamisch experimentellen Gestaltung. André Verlons Lebenslauf ist in seiner Vielfalt und seinem Ereignisreichtum überwältigend. Politische Kontakte von Churchill bis Kreisky, literarische Schöpfungen die dem jungen Erich Fried Komplimente ab ringen, Ausstellungstätigkeiten von Wien über Paris, London nach New York. Werke in der Tate Gallery, dem Museum of Modern Art, New York, dem Yad Vashem oder Belvedere, Wien.


Verlon in Zürich als Kind österreichischer Eltern geboren, kommt in jüngsten Jahren nach Wien, bevor er im Alter von 16 Jahren 1933 mit seinen Eltern nach Palästina emigriert. Nach einiger Zeit in ärmsten Verhältnissen, beginnt er sich als Schriftsteller, dann als Buchhändler und Verleger zu betätigen. Sein Augenmerk liegt auf den Werken der Exil- Literaten, deren Werke er zumindest im Ausland vor dem Nationalsozialistischen Regime erhalten möchte. Weiters ist er Leiter des „Free Austrian Movements“, eine Vereinigung die sich für die Souveränität Österreichs nach Beendigung des 2. Weltkrieges einsetzt.


1946 kommt er mit einem der ersten Züge wieder zurück in das zerbombte Wien. Er wird selbstständiger Herausgeber, Verleger und Kunsthändler. Drei Jahre und ein weltweit besprochener Kunstskandal ob Verlons geheimer Identität später, stellt er bereits im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) bei der wegweisenden Ausstellung „The Art of Assemblage“ neben Werken von Marcel Duchamp, Max Ernst und Meret Oppenheim aus.


Es folgten über 60 Einzelausstellungen in Europa und den USA. Ankäufe des MoMA, der Tate Gallery, des Museé National d’Art Moderne sowie der Österreichischen Galerie Belvedere zeugen von der beeindruckenden Anerkennung zu Lebzeiten. 1997 konnte der Kunsthandel Hieke eine erste Personale des Künstlers zeigen. 2017 folgte zum 100. Geburtstag eine umfassende Überblicksschau mit begleitendem Katalog. 2020 präsentiert der Kunsthandel Hieke sein Werk in der „Explorations Section. 1960-80“ auf der Vienna Contemporary.



Ausstellungen (Auswahl):

1961 Art of Assemblage, Museum of Modern Art, New York

1962 The Dallas Museum of Contemporary Arts

1962 San Francisco Museum of Art

1962 Kunsthalle Düsseldorf

1962 Brook Street Gallery, London

1962 D‘Arcy Galleries, New York

1963 Galerie Arditti, Paris

1963 Galleria Arturo Schwarz, Milano

1963 Galleria Penelope, Roma

1972 Collages, Museum of Modern Art, Haifa

1976 und 1986 Belvedere, Wien

1984 MMK Palais Liechtenstein, Wien

1997 und 2017 Personale Kunsthandel Hieke, Wien

2017/2018 "Genosse Jude", Jüdisches Museum, Wien


Werke in (Auswahl):

Belvedere, Wien

Albertina, Wien

MuMoK, Wien

Tate Gallery, London

MoMa, New York

Collection des Beaux Arts de la Ville, Paris

Musée National d'Art Moderne, Paris

Museum of Modern Art, San Francisco

Yad Vashem, Jerusalem